Mit dem Vermeiden von überflüssigen Dingen zu mehr Glück
Mit drei Kindern kann sich im Haus ganz schön viel ansammeln. Überall stehen Sachen, die benutzt oder gepflegt werden wollen. Der Schrank voller Gesellschaftsspiele, die man während des Lockdowns so viele Male gespielt hat, dass jedes Familienmitglied nun einen großen Bogen darum macht. Oder der große Salat-Teller, ein gut gemeintes Geschenk der Schwiegermutter, der in keinen Schrank passt, auf dem Regal vor sich hin staubt und genau aus diesem Grund nie benutzt wird.
Nutzen nach dem Pareto-Prinzip
Wir alle kennen solche Dinge und doch trauen wir uns nur selten, uns von diesen Sachen zu trennen. Und das, obwohl wir nach dem Pareto-Prinzip nur 20 Prozent unserer Sachen 80 Prozent der Zeit benutzen. Wozu also die 80 Prozent zuhause rumstehen lassen, wenn sie uns durch ihre Pflege und den Ruf nach Aufmerksamkeit vom eigentlichen Leben abhalten?
Minimalismus auf dem Vormarsch
Das überlegen sich immer mehr Menschen und streben daher einen minimalistischen Lebensstil an. Das heißt, sie fokussieren sich aufs Wesentliche, besitzen oder kaufen keine überflüssigen Dinge und verzichten dadurch auf den Überkonsum, der unseren Planeten an die Grenzen seiner Ressourcen bringt.
Meine Kinder sind wahre Minimalisten – zumindest, was ihre Kleidung betrifft. Die Kleidung meines ältesten Sohnes passt nach dem Rezept von Marie Kondo in vier Schubladen — abgesehen von seinen zwei Jacken und drei Paar Schuhen. Meine Tochter käme gar mit einer aus, wären da nicht die vielen Shirts und Hosen, die wir von anderen geschenkt bekommen haben. Sie liegen als Backup in einer Kommode, falls die 12-jährige doch mal etwas anderes als ihr Lieblingsoutfit, das aus einem Rock und Shirt besteht, anziehen möchte. Im Schrank meines „mittleren Sohnes“ stapeln sich dagegen Schlaf-Anzüge, die ihm die gut meinende Oma zuhauf gekauft hat, weil das Kind den Eindruck hatte, er hätte nicht genug. Aber auch hier passt alles in einen schmalen Schrank.
Im Kleiderschrank noch Luft nach oben
Mein Mann und ich sind da noch nicht so weit. Mehr als 50 Jahre Lebenszeit hinterlassen im Kleiderschrank deutliche Spuren und eine Menge Lieblings-Sachen, die vielleicht ja irgendwann einmal wieder passen könnten. Zumindest hat meine Seite des Kleiderschrankes vor einigen Jahren schon einmal eine Marie-Kondo-Aktion über sich ergehen lassen müssen. Seitdem befinden sich die Sachen schön säuberlich gefaltet in Schubladen oder auf Kleiderbügel. Und obwohl doch einiges rausgeflogen ist, mehr als 20 Prozent der Dinge trage ich tatsächlich nicht. Aber zumindest muss ich seit dem nicht mehr Winter-und Sommergarderobe austauschen. Es passt alles in einen Schrank!
Doch auch wenn ich es nicht schaffe, wie meine Kollegin vom Forum Plastikfrei, komplett minimalistisch zu leben, gelingt mir das zumindest beim Thema Neuanschaffungen.
Bewusst einkaufen hilft gegen Gerümpel im Haus
Schon allein durch unseren plastikfreien Lebens- und Einkaufsstil kommt nur das ins Haus, was wirklich gebraucht wird. Keine Versuchungen, wie das Laminiergerät, das man eh nie braucht, oder das 20te Sonderangebots-T-Shirt locken auf dem Weg zur Kasse im Discounter. Unser Essen kommt ja von der SoLaWi (Solidarischen Landwirtschaft), dem Unverpackt-Laden oder dem Bio-Laden um die Ecke.
Minimalismus spart Geld
Minimalistisch Leben tut nicht nur der Ordnung im eigenen Zuhause gut und spart eine Menge Geld, sondern bricht auch mit den üblichen Konsumgewohnheiten, wonach wir ständig Neues kaufen sollen, damit die Wirtschaft wachsen kann und wir als Gesellschaft immer reicher werden.
Wirklich glücklich macht uns dieses Credo des „Wachsen um des Wachsens willen“ jedoch nicht. Er sorgt viel mehr dafür, dass wir mehr Ressourcen verbrauchen als sich auf diesem Planeten regenerieren können. Und es sorgt dafür, dass auf Grund der günstigen Produktion niedrige Löhne gezahlt werden, Kinder im globalen Süden arbeiten müssen, giftige Zusatzstoffe verwendet werden und viel CO2 und die Luft geblasen wird – alles für Dinge die wir eigentlich gar nicht brauchen.
Mehr Lebensqualität durch weniger Besitz
Minimalismus hat nichts mit Verzicht und Einschränkung der Lebensqualität zu tun. Im Gegenteil! Hinter einem minimalistischen Lebensstil steckt der Wunsch nach mehr Lebensqualität: Wer weniger Dinge kaufen, aufräumen, pflegen oder entsorgen muss, hat mehr Zeit für gemütliches Café-trinken, Freunde treffen, wandern gehen oder entspannt einen Roman aus der Bücherei lesen.
Wer weniger kauft, braucht auch weniger Geld, und kann weniger arbeiten: Als Postwachstumsökonomie bezeichnet der Volkswirt und Autor Nico Paech dieses Konzept. Er beschreibt in seinen Büchern eine Welt, in der wir durch Sharing und Eigenanbau, Reparieren etc. ein Leben mit weniger Arbeit und mehr gemeinschaftlicher Zeit verbringen.
Vieles von seinen Ideen leben wir schon: Wir besitzen kein eigenes Auto mehr, sondern haben uns für Carsharing entschieden oder leihen uns ein Autos von Nachbarn. Ebenso wie Garten- und Werkzeug, das man nur selten braucht.
Und was die Spiele oder die Salat-Schüssel betrifft, so werden wir uns wohl ein paar Methoden überlegen, die uns helfen, loszulassen. Wie etwa die 30-Tage-Challenge, in der man sich täglich von einem Gegenstand trennt. Das klingt machbar und artet nicht gleich in Stress aus.
